Wieder zuhause

O.K., die Rechnung ging nicht auf. 25 Grad und Sonnenschein im deutschen November – wir geben zu, hier ist die Hoffnung ein wenig mit uns durchgegangen. „Trübes, regnerisches Novemberwetter“, das wars, was uns in den ersten zwei Wochen hier in Deutschland erwartete. Schon beim Landeanflug in Frankfurt wurde uns gezeigt, wo der Hammer – oder besser gesagt, die Wolken – hängen. Nun gut. Aber es gibt sie auch noch in Deutschland. Die Sonne. Wir haben sie schon gesehen. Also, alles halb so schlimm.

Doch der Reihe nach. Nach unserem Abschied von Thomas und Agnes in Patagonien sind wir noch für eine Woche nach Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, gefahren. Der Klimaunterschied zu Patagonien hätte nicht krasser sein können: Von 2 Grad und leichtem Schneefall zu 28 Grad und Sonne. Eine Wohltat. So wundert es auch nicht, dass sich das Leben in Buenos Aires auf der Strasse in den unzähligen Cafes, Restaurants und auf den Plätzen abspielt. Ein schöner Abschluss unserer Reise. Wir taten es den Einwohnern gleich und hingen in Cafes ab bis zum abwinken. Zum Pflichtprogramm gehörten jedoch auch der Besuch des Stadions der Boca Juniors (dem Verein der argentinischen Diva Maradonna), ein Besuch bei Evita (die rennt ja nicht weg – auf ihrem Friedhof in Recoletta ist sie der Besuchermagnet) und natürlich Steaks und Tango. Letzterer wird – alle Klischees bedienend – sogar noch immer auf den Strassen der Metropole getanzt. Buenos Aires mit seinen alten Häusern, noch älteren Autos, grünen Alleen, charmanten Cafes, der gemütlichen, ruhigen Atmosphäre, den Parks – für uns mit die schönste Stadt auf der gesamten Reise. In Buenos Aires lernten wir jedoch auch die vielleicht ungewöhnlichste Berufsgruppe unserer Reise kennen: Die Sargabstauber des Recoletta Friedhofes. Dort sind die Gräber nicht unterirdisch, sondern die Särge liegen in großen, teils monumentalen Gebäuden überirdisch. Meist kann man durch eine Tür ins Innere der Ruhestätten kommen. Mehr als ein dutzend Arbeiter ziehen mit Staubwedeln bewaffnet über den Friedhof und stauben die teils über 100 Jahre alten Särge ab. Angst habe sie keine, berichtet uns eine zierliche Frau mit Staubwedel. Nur nachts sei es unheimlich, aber wenigstens sei es schön ruhig.

Eine Maschine der Lufthansa katapultierte uns dann nach 13-stündigen Flug zurück in die deutsche Realität. Am Flughafen war – wie von uns gewünscht – kein großer Bahnhof. So konnten wir wenigstens ein wenig in Ruhe in Deutschland ankommen und für unsere wirklich letzte Fahrradetappe noch einmal richtig ausschlafen. Vorletzten Sonntag hieß es dann zum letzten Mal die Räder bepacken, die Klickis einrasten lassen und mit leichtem Schwung die Räder ans laufen bringen. Viel zu schnell kamen wir vorwärts und die ausgesuchte Strecke nach Niederfischbach war viel zu kurz. Dieses dahinrollen, durch schöne Landschaften fahren, sich an der frischen Luft bewegen – ein wenig Wehmut kroch in uns hoch. In Kirchen – einer Stadt 10 Kilometer von Niederfischbach entfernt – wollten wir dann noch etwas Zeit aussitzen. Schließlich hatten wir uns erst für 14:30 zum Kaffee trinken angemeldet und zu früh zu kommen, das erschien uns als unhöflich. In Kirchen war zufällig Stadtfest. Viele Leute erkannten uns, ein merkwürdiges und schönes Gefühl, auch von einigen Fremden auf unsere Tour angesprochen zu werden. Der Grund war einfach: Die Siegener Zeitung hatte in 38 meist ganzseitigen Artikeln über unsere Radreise berichtet.

Doch der richtige Empfang stand uns da noch bevor. Viele Freunde kamen uns per Rad entgegen, die wirklich allerletzten Kilometer fuhren wir im großen Konvoi. Unterwegs mussten oder besser gesagt durften wir immer wieder anhalten, weil Freunde oder Interessenten am Wegesrand auf uns warteten. So wurden aus 20 Minuten gedachter Fahrzeit 2 Stunden – zum Kaffee trinken kamen wir also viel zu spät. Egal. Schließlich kommen wir ja direkt aus Südamerika, wo pünktlich kommen eh ziemlich uncool ist. Von dem Empfang waren wir wirklich überwältigt. Familien, Freunde (sogar aus Schweden extra angereist), Nachbarn, Bekannte und Unbekannte – alle waren sie da. Ein großes „Hallo“, für uns ein Volksfest.

Neben der Siegener Zeitung sind noch andere Medien auf uns aufmerksam geworden: Rhein-Zeitung, Radio Siegen, SWR1 und SWR4, SAT1. Eine für uns unglaubliche Reise hatte ein ebenso unglaubliches Ende gefunden. Lange saßen wir an dem Nachmittag noch mit vielen Leuten zusammen. Dabei kam uns die Tour im Rückblick gar nicht so lange vor, eher wie ein normaler Jahresurlaub. Doch als uns Freunde ihren 3-monatigen Sohn entgegenhielten, von dessen Existenz wir gar nichts wussten, da war uns schon klar, dass wir doch länger unterwegs gewesen sein mussten…

Viele sind auf der Panamericana quasi vor dem Computer mitgefahren oder haben uns immer in der Zeitung verfolgt. Bei Rückenwind und einfacher Strecke zu fahren, war immer einfach. Aber auch wenn die viele Zustimmung und Unterstützung keinen Berg flacher und keinen Gegenwind schwächer gemacht hat, sie hat uns doch in so manchen schwierigen Situationen geholfen, uns zum weitermachen animiert und auch ein Stück weit getragen. Dass wir es bis unten hin geschafft haben, liegt auch an EUCH. Dafür vielen Dank.

Einen betont frostigen Empfang bescherte uns hingegen Frau Schmidt, unsere Katze. Die letzten 18 Monate war sie bei Jörg (Andreas Bruder) und seiner Freundin Puri auf Langzeiturlaub. Doch von Wiedersehensfreude auf Seiten Frau Schmidts keine Spur. Wir mussten uns schon zum streicheln hinter diverse Schränke oder unter Betten und Sofas bewegen. Selbst für ein Fotoshooting war Frau Schmidt nicht zu begeistern. Aber, wir sind geduldig und geben nicht auf. Irgendwann wird auch Frau Schmidt gnädig und zeigt vielleicht wenigstens einen Anflug von Wiedersehensfreude. Wenn ihr übrigens Frau Schmidt mal eine Aufheiterungsmail schreiben wollt: Sie ist seit neuestem im World-Wide-Web aktiv. Zumindest per e-mail Adresse: frauschmidt@pan-america.de

Was hat sich getan hier in der alten Heimat? Nicht viel eigentlich. Die Strassen sind enger und die Häuser kleiner geworden (das muss eine Menge Arbeit gewesen sein). Und die Kinder natürlich größer. Ansonsten geht alles seinen gewohnten Gang, es scheint sich wenig verändert zu haben. An den Alltag gewöhnt man sich schnell, so richtig angekommen sind wir jedoch noch nicht. Wenig Bewegung, kurze Tage, graues Wetter, kein eigenes Zuhause, Wohnungssuche in Frankfurt. Die Freiheit weicht langsam wieder kleineren und größeren Verpflichtungen. Wegfahren ist einfach, nach Hause kommen dagegen schwieriger.

Wir werden oft gefragt, was wir von der Reise außer knapp 10.000 Bildern und jede Menge Erinnerungen noch mitgenommen haben. Eine schwierige Frage. Unter anderem jedoch ganz bestimmt eines: Keine noch so große Aufgabe ist zu groß. Man muss sich nur auf den Weg machen.

Und so machen wir uns auf den Weg zurück in die deutsche Zivilisationsgesellschaft. Die Wohnungssuche in Frankfurt gestaltet sich schwierig, aber 6 Wochen Zeit haben wir ja noch, bis uns auch der Arbeitsalltag wieder einholt. Eine Traum-Zeit geht so langsam zu Ende.

Unsere Homepage bleibt übrigens aktiv. Wir werden bestimmt ab und zu über Neuigkeiten berichten und sind auch schon gespannt, was sich noch alles entwickelt.

Bis dahin eine gute Zeit

Jörg und Andrea

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