Der Nordwesten Argentiniens: Steaks und Wein, Kaelte und Pampa

Die bolivianisch-argentinische Grenze ueberqueren wir in den fruehen Morgenstunden. Schon am Grenzbaum wird uns klargemacht, zu wem die Falklandinseln gehoeren. Ein riesiges Schild sagt selbstbewusst „Las Malvinas/Falklandinseln = Argentinien“. Die Englaender werdens nicht so gerne hoeren. Doch dann sehen wir ein weiteres Schild. Ein ganz normales Strassenschild. „Ushuaia 5.120 Kilometer“. Ushuaia, das Ziel unserer Reise, auf dass wir schon so lange hinfiebern. Nun steht der Ort hier auf einem ganz regulaeren Strassenschild. Gaensehautfeeling. Aber die 5.000 Kilometer wollen auch erstmal bewaeltigt werden.

Also steigen wir auf unsere Raeder und rollen langsam von der Hochebene des Altiplanos in tiefere Regionen. Unterwegs zelten wir entlang der Strasse, doch oftmals wird die Platzsuche schwieriger als gedacht, denn Zaeune versperren den Weg zu abseits der Strasse gelegenen Plaetzen. Wo zeltet man, wenn alles eingezaeunt ist? Klar, auf den Bahngleisen. Nachdem wir uns vergewissert haben, dass dort ganz bestimmt kein Zug mehr faehrt, schlagen wir unser Zelt auf einem kleinen Bahnuebergang, der einzig geraden Flaeche weit und breit, auf. Weiter unten in der argentinischen Pampa machen wir mit anderen Plagegeistern Bekanntschaft: Stacheln und Dornen. Durch die hohen Anden ist der Nordwesten Argentiniens sehr regenarm und im Sommer super heiss. Hunderte von Kilometern Wueste, Pampa, Nichts. An manchen Tagen fahren wir gerade mal eine oder zwei Kurven, so schnurgerade verlaufen einige Strassen durch die argentinische Pampa. Ausser stacheligen Bueschen und dornigen Baeumchen waechst hier nichts. Zum Glueck sind unsere Reifen dick und gut, so dass wir nur einige wenige Plattfuesse bekommen. Doch nachts bohren sich die Dornen durchs Zelt in unsere Thermarest-Matten. Jetzt schlaeft es sich die letzten Wochen haerter als geplant. Aber die Trockenheit hat auch ihr Gutes: Im Nordwesten Argentiniens braucht man sich uebers Wetter keine Gedanken zu machen. Sonnenscheingarantie. Manchmal bekommen wir sogar gratis eine Foenfrisur. „El Zonda“ heisst der sturmaehnliche Wind, der ab und zu von den Anden herunterfegt, aehnlich dem Foen in den Alpen, nur in XXL. Ein Traum, wenn er von hinten kommt, ein Alptraum ansonsten. Meist bringt er starke Temperaturschwankungen mit sich. So kann es an einem Tag durchaus 25 Grad sein, am naechsten dafuer nur 5 Grad. Maximal. Nachts jedoch wird es jetzt mitten im Winter immer super kalt. Wir richten jeden Abend unser Zelt mit einem Kompass so aus, dass die Sonne moeglichst frueh auf unser Zelt scheint und wir bei angenehmen 8 Grad im Zelt fruehstuecken koennen. Unsere Wasserflaschen sind regelmaessig gefroren, morgens beim Zaehne putzen haben wir schonmal Eiszapfen im Mund. Die Kaelte treibt uns auch abends immer frueh in die Schlafsaecke. Eigentlich schade, denn den klaren Sternenhimmel koennten wir uns die ganze Nacht ansehen. So viele Sterne haben wir noch nie gesehen, die Milchstrasse ist klar und deutlich zu sehen.

Sterne verdienen jedoch auch die argentinischen Koeche. Zumindest die grillende Zunft. Parilla oder Asado heisst die argentinische Variante des Grillabends. Selbst kleinste Persoenchen vertilgen dabei Unmengen an Fleisch. Beilagen wie z.B. Salat gelten als uncool. Wir sind gerne uncool, geniessen wir es doch, nach langer, langer Zeit endlich wieder Salat ohne Reue essen zu koennen. In den anderen Laendern Lateinamerikas standen ungekochte Speisen aus hygienischen Gruenden nicht auf unserer Speisekarte. Metzgermeister sind hier in Argentinien wohl gemachte Leute, wobei man als Kuh eher schlechte Karten hat (siehe vorher/ nachher Fotos Nr. 5 und 6 im Nordargentinien-Bildordner). Zum Glueck koennen die Argentinier nicht so gut Fussball spielen, wie sie grillen koennen. Neben Steaks haben die Argentinier aber noch andere kulinarische Genuesse zu bieten, nicht zuletzt Wein. Der Wueste wurden vor allem rund um Mendoza grosse Weinanbaugebiete abgerungen. Klare Sache, in Mendoza machen wir eine Weinprobe.

Nach Peru und Bolivien kommt uns Argentinien wieder sehr westlich vor. Hier wird wieder Rasen gemaeht und es gibt Supermaerkte mit allem, was man sich wuenscht. Mit offenem Mund gehen wir durch die Regale, bewundern die grosse Auswahl an Kaese, Brot, Milchprodukten. Mussten wir in den Laendern zuvor oftmals viele kleine Geschaefte muehsam aufsuchen, um unsere Lebensmittel zusammen zu bekommen, genuegt hier ein Stopp in einem Supermarkt, wie er auch in Deutschland stehen koennte. Daran koennen wir uns gut gewoehnen, an die Oeffnungszeiten in Argentinien jedoch eher weniger. Von 13 bis 17 Uhr dauert hier die Siesta. Selbst die streunenden Hunde verkruemeln sich dann in irgendwelche Ecken. Alles wirkt wie ausgestorben, alles ist geschlossen.

In Mendoza halten wir uns unfreiwillig laenger auf, als geplant. Eine Kaltfront mit Schnee – selbst alte Einwohner muessen lange nachdenken, ob sie schonmal Schnee in Mendoza erlebt haben – haelt uns fest. Nun, es gibt schlimmere Orte, um eine Kaltfront auszusitzen, als Mendoza. Genuegend Cafes gibt es jedenfalls. Morgens beim Fruehstueck kommen wir uns jetzt jedoch eher fehl am Platze vor: Die meisten anderen Gaeste haben Skiklamotten an und freuen sich auf einen Tag im Pulverschnee. Wir wollen dagegen wieder auf unsere Raeder. Eines Morgens erfahren wir, dass der Pass nach Chile offen ist und wir mit einem Bus rueber koennen. Vorbei an kilometerlangen LKW-Schlangen ueber Eis quaelt sich unser Bus auf die 3.200 Meter Passhoehe. Links und rechts tuermt sich der Neuschnee 3 Meter hoch. Ein Blick auf den Aconcagua, den mit 6959 Metern hoechsten Berg der Amerikas, erhaschen wir trotzdem. Dann sind wir auch schon an der Grenze zu Chile, unserem 14. Land. Die Grenzformalitaeten dauern ewig. Jedes Gepaeckstueck wird akribisch untersucht. DDR-Zoellner wuerden respektvoll ihren Hut vor den chilenischen Kollegen ziehen. Besonders unsere Essenstasche erregt Aufmerksamkeit. Die Obst- und Gemuesevorraete haben wir schon vorher aufgefuttert und so kommen wir mit einem blauen Auge davon. Lediglich die leckere Salami, die wir in einem argentinischen Supermarkt ergattert hatten, darf nicht mit nach Chile. Der Zollbeamte betrachtet sie ausgiebig. Dann faellt sein Urteil: „Einfuhr verboten“. Jetzt wissen wir wenigstens, was der Herr Zollbeamte am naechsten Tag auf sein Pausenbrot legt. Ein Paeckchen Kekse einer anderen Mitreisenden wird dagegen direkt vor Ort vertilgt.
Direkt hinter dem Grenztunnel ein anderes Klima. Es ist deutlich waermer und geschneit hat es auch nicht. Willkommen in Chile. Trotzdem sind wir uns noch nicht sicher, ob wir in Argentinien oder in Chile weiter Richtung Sueden fahren. Wir machens vom Wetter abhaengig. Steak essen und Wein trinken kann man hier das ganze Jahr, doch zum Fahrrad fahren sind wir im Moment eher in der falschen Jahreszeit hier unten. Schaun wir mal.

Liebe Gruesse

Andrea und Joerg

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